Axel Wagner.net

Journalismus im Zeitalter von Social Media & Co.

Kategorie: Randnotizen

1200 Leser nutzen GT-Service bei WhatsApp

Wo wir gerade beim Thema neue Verbreitungswege sind: Das Göttinger Tageblatt hat ja Mitte April einen WhatsApp-Service gestartet. Mit großem Erfolg, wie sich zeigt: Schon rund 1200 Menschen haben sich für den kostenlosen, täglichen Newsletter über den Messaging-Dienst angemeldet.

Weitere Infos zum neuen Service gibt es hier.

Lesetipp: Zuschauer sind mit der ARD unzufrieden

Focus.de berichtete gestern Abend über eine neue Studie der forum! Marktforschung:

Es ist ein Armutszeugnis für die deutsche Fernsehlandschaft. Laut der Studie Fanfocus ist nur gut jeder zehnte Zuschauer zufrieden und an den Sender seiner Wahl gebunden. Dem miesen Ergebnis setzt die ARD die Krone auf – nur ein privater Sender kommt genauso schlecht weg.

Insgesamt 65 Prozent der Befragten sind demnach unzufrieden mit dem Programm des Ersten, 46 Prozent der Zuschauer sind sogar „Terroristen“ – so bezeichnen die Macher der Studie Menschen, die unzufrieden sind, dies öffentlich kundtun und damit dem Unternehmen schaden. Kein Wunder bei dem, was dort seit einigen Jahren geboten wird. Satire findet sich nur noch in den Dritten Programmen (auch wenn Extra 3 ab Oktober einmal monatlich ins Hauptprogramm darf), den Scheibenwischer-Nachfolger darf man getrost vergessen, die Ratgeber-Sendungen werden zugunsten der nervigen Checks eingestampft, und ansonsten findet sich da vor allem viel seichter Unterhaltungsbrei. Findet sich dann doch mal ein anspruchsvolleres Erfolgsformat ein, wird es meist irgendwo versendet.

Das ZDF steht nicht viel besser da – 55 % Unzufriedene insgesamt, 31 % „Terroristen“ -, wobei man hier offenbar die bessere Social Media-Strategie spürt. Den Spitzenplatz mit 22 % treuen Zuschauern hat der Kultursender Arte – auch kein wirklich gutes Ergebnis. An Topmodel- und Raab-Sender Pro Sieben scheiden sich die Geister: 19 % sehr zufriedene Zuschauer, gleichzeitig aber auch 29 % „Terroristen“.  Die übrigen Privatsender sortieren sich rund um den Durchschnitt von 11 % treuen Zuschauern ein. Insgesamt ein Armutszeugnis, das aber auch den Erfolg der neuen Video on demand-Dienste wie Amazon Prime Instant Video erklärt.

Die komplette Studie gibt es hier zum Nachlesen.

Erkenntnis des Tages: „Google braucht uns nicht. Wir brauchen Google.“

google

Diese anno 2014 bemerkenswerten Worte kommen von Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender bei Axel Springer, und sind in der aktuellen FAZ nachzulesen.

“Wir kennen keine Alternative, die auch nur ansatzweise vergleichbare technologische Voraussetzungen zur automatisierten Werbevermarktung bietet. (…) Wir kennen auch keine Suchmaschinen-Alternative zur Sicherung und Steigerung unserer Online-Reichweite”

(zitiert bei Meedia)

Schade nur, dass den Worten vermutlich nicht viel folgen wird. Google ist und bleibt das Nonplusultra in Sachen Suchmaschinen, aller Datenschutzbedenken und sonstiger Vorwürfe zum Trotz. Eine wirklich vielversprechende Alternative ist nicht in Sicht. Und auch in Sachen Werbung ist der Konzern ein mächtiger Wettbewerber.

Nachtrag: Thomas Knüwer hat die Äußerungen Springers kritisch kommentiert.

Chromecast: Google bläst zum Angriff

Foto: Google

Foto: Google

Google hat es wieder getan: Der Suchmaschinenriese aus Kalifornien drängt mit Macht in den nächsten Markt vor und bietet mit Chromecast einen winzigen HDMI-Stick an, mit dem sich der Fernseher zum Smart-TV machen lässt. Youtube-Videos, Watchever, demnächst auch Maxdome und vielleicht auch bald Netflix – alle großen Streaming-Dienste lassen sich über den kleinen Stick abspielen. Bedient und konfiguriert wird er per App vom Smartphone oder Tablet – wobei die Steuerungs-App sowohl auf Android-Systemen als auch beim Konkurrenten Apple angeboten wird. Ein cleverer Schachzug.

Matthias Kremp hat Chromecast schon für Spiegel Online getestet und ist begeistert:

„Als ich den Google-Stick dann endlich ausprobieren kann, staune ich nicht schlecht. Egal ob ich es per Android-Smartphone oder per iPad versuche: Die Technik funktioniert problemlos. Die Bedienung ist sehr einfach. In Apps, die Chromecast unterstützen, erschient ein neues Symbol, das ich anklicken muss, um den aktuellen Bildschirminhalt auf meinem Fernseher ansehen zu können.“

Den kompletten Testbericht gibt es hier zum Nachlesen. Chromecast gibt’s für gerade einmal 35 Euro offline bei Media Markt und Saturn und online bei Amazon und im Google Play Store.

Online-Shopping im Supermarkt

Sind die Süßigkeiten im bei Amazon günstiger? Die Flow-App zeigt es. Screenshot: Amazon Flow

Sind die Süßigkeiten im bei Amazon günstiger? Die Flow-App zeigt es. Screenshot: Amazon Flow

Bislang stand ich der Augmented Reality-Technologie ja eher skeptisch gegenüber. Anders ausgedrückt: Ich hielt sie eher für eine Spielerei von Computerfreaks, die sich ihren Weg zum nächsten Briefkasten lieber mithilfe eines wackelnden Videobildes statt mit einer Karte suchen. Was diese Technik aber inzwischen zu leisten vermag, zeigt derzeit Amazon. Vergleichbares könnte mittelfristig auch Journalisten helfen.

Wer kennt es nicht: Man steht im Supermarkt vor dem Sonderangebot und fragt sich, was das wohl andernorts kostet – Preiskampf hin, Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und Produzenten her. Was für viele Menschen leider immer noch am ehesten zählt, ist der Preis. Und hier setzt Amazon an. Der in Deutschland nicht unumstrittene Online-Händler hat in den USA seine seit 2011 bekannte Flow-Technologie in die iOS-Standard-App integriert. Die Funktionsweise ist einfach: Bücher, DVDs oder ganz einfach abgepackte Waren werden vor die Kamera des Smartphones gehalten. Die App scannt die Ware und versucht, sie zu erkennen und im Amazon-Sortiment zu finden. Soweit das Versprechen. Und das kann die Technik erstaunlich gut halten, wie ein Test von Amazon Flow in einem deutschen Supermarkt zeigt.

Screenshot: Amazon Flow

Screenshot: Amazon Flow

Dazu sei natürlich gesagt, dass die App vor allem bei Produkten „anschlägt“, die sich sowohl in einem deutschen als auch in einem US-Supermarkt wiederfinden. Beim Blaumohn von Seeberger beispielsweise musste die App passen, und auch die Produkte von Valensina schien sie nicht zu kennen. Fündig aber wurde Amazon Flow zum Beispiel bei den Goldbären von Haribo. Direkt wird der Preis angezeigt, direkt gefolgt vom Link zum Bestellen. Auch Toffifee-Pralinen, Kellogg’s Corn Flakes, Smacks und Crunchy Nut findet die App sofort, und bei den süßen Frühstücksflakes versagt sie wohl nur deshalb den Dienst, weil diese in den USA nicht als Frosties, sondern als Frosted Flakes verkauft werden. Dafür findet Amazon Flow im hauseigenen Sortiment die Salatkrönung von Knorr, die ich dort eher nicht erwartet hätte. Das gleiche Bild bei den großen Kaffee-Marken Nescafé, Lavazza und Segafredo: Die App hat die Verpackungen binnen Sekunden erkannt und hält mit dem Amazon-Preis gegen das Ladenangebot. Bei DVDs ist sogar noch mehr drin: Zur DVD von R.E.D. 2 – Noch Älter, Härter, Besser, die die App trotz deutschem Cover problemlos erkannte, lieferte sie gleich den passenden Trailer mit.

Bislang gibt es Amazon Flow nur in den USA, allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der Online-Händler dieses Angebot auch hier startet. Und dann könnte Flow für den Händler um die Ecke zum echten Problem werden: vor Ort schauen, im Netz kaufen. Bleibt zu hoffen, dass die Einzelhändler auf diesen Trend beizeiten reagieren und ihn nicht, wie so viele andere zuvor, verschlafen.

Doch noch hat Amazon Flow auch Grenzen. Im Alltagstest musste die App bei Elektrogeräten wie dem Fleischwolf von Unold oder der Kaffeemaschine Tassimo Vivy von Bosch passen – noch. Und auch bei frischen Lebensmitteln funktioniert die Erkennung bislang nicht. Aber auch hier gilt: alles eine Frage der Zeit. Und wenn Augmented Reality inzwischen so ausgereift ist, dürfte diese Technik auf absehbare Zeit auch bei Journalisten zum Einsatz kommen. Die Möglichkeiten sind da.

Mehrheit für große Werbebanner?

Foto: Cristine Lietz  / pixelio.de

Foto: Cristine Lietz / pixelio.de

Dass es Studien gibt, deren Aussagekraft – vorsichtig ausgedrückt – bezweifelt werden darf, hat heute Morgen schon die Facebook-Untersuchung der Uni Princeton gezeigt. Nun schneit noch eine weitere Untersuchung ins Haus, die der Marktforscher Ipsos im Auftrag des Werbespezialisten Undertone durchgeführt hat. 3000 Teilnehmer wurden dafür nach ihrer Einstellung zu Online-Werbung befragt.

While the online ad industry falls deeper in love with native ads that fade into the background of Web pages, consumers prefer ads that get in their face by taking over their computer screens.

Große Werbebanner, die sich über den gesamten Bildschirm legen und so den eigentlichen Inhalt verdecken, sollen also beliebt sein? Kunden wollen beim Lesen und Surfen unterbrochen werden? Wohl kaum. Große Werbeblöcke, die den Bildschirm blockieren, halte ich für nervtötend und störend.

Dass die Studie wenig aussagt, gerade im Hinblick auf Native Advertising, macht auch das Online-Portal Adweek selbst deutlich:

This study primarily focuses on display ads—that is, it compared high-impact display ads with standard banners. Native was not part of the research. It would be interesting to see what consumers thought of native ads vs. full-screen takeovers, if given the choice.

Toll. Eine Studie zu Online-Werbung, die die wahrscheinlich wichtigste Entwicklung in diesem Bereich komplett außen vor lässt.

Studie: Facebook wird zur Geisterstadt

Kaffeesatz

Kaffeesatz. Foto: Karin Schmidt / pixelio.de

Heute aus der Rubrik „Lustige Studien“: Wissenschaftler der Princeton University in New Jersey haben ausgerechnet, dass Facebook zwischen 2015 und 2017 rund 80 Prozent seiner Nutzer verlieren wird. Grundlage dafür ist eine Formel, mit der Biologen berechnen, wie schnell sich Seuchen verbreiten und wieder verschwinden. Die Forscher haben untersucht, wie oft der Begriff „Facebook“ bei Google eingegeben wurde. Danach soll es seit 2012 einen Abwärtstrend geben, ähnlich dem bei Myspace 2008

Die Forscher vergleichen also Faceobook mit einer Seuche und errechnen anhand der Suchanfragen beim Konkurrenten Google, wie populär das soziale Netzwerk in Zukunft sein wird. Das kommt dem berühmten Lesen im Kaffeesatz gleich. Wie schwachsinnig eine solche Untersuchung ist, zeigten Facebooks Datenanalysten gleich darauf. Würde man die gleiche Methodik auf die Princeton University anwenden, hätte sie bis 2021 keine Studenten mehr.

So richtig auf der Höhe der Zeit…

… ist die Wirtschaftswoche auch nicht immer. 😉

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