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Journalismus im Zeitalter von Social Media & Co.

Kategorie: Tools

Noch Luft nach oben: Facebooks neue Paper-App

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Facebook hat am Montag im US-Store von Apple seine neue App Paper veröffentlicht. Schon beim ersten Öffnen wird schnell deutlich: Paper ist bei Flipboard in die Lehre gegangen. Bedienkonzept und Design unterscheiden sich deutlich von der eigentlichen, viel kritisierten Facebook-App. Für viele Nutzer dürfte Paper sogar zur Alternative werden.

Nach einem kurzen Einleitungsfilm und einigen Erklärungen zur neuen Wischtechnik, mit der sich die einzelnen Artikel aufklappen lassen, können die Bereiche (Sections) ausgewählt werden, die sich der Nutzer informieren kann. Zehn dürfen es maximal sein, einer der Reiter ist für Facebook schon reserviert. Ausgewählt werden können

  • Headlines: Nachrichten und Analysen.
  • Tech: Nachrichten über Technik-Unternehmen, Startups und Innovationen.
  • Enterprise: Unternehmens- und Wirtschaftsnachrichten.
  • Pop Life: Klatsch und Tratsch aus Film, Funk, Fernsehen.
  • Score: Hier verstecken sich die Sportnachrichten und -kommentare.
  • Creators: Facebook verspricht „visuelle Köstlichkeiten und Inspiration von Designern und Künstlern weltweit“.
  • Flavor: Alles rund um Essen und Rezepte
  • Exposure: Atemberaubende Fotos aus unterschiedlichen Quellen
  • Ideas: Ein bunter Themenmix. Facebook nennt es einen „täglichen, detaillierten Blick auf eine herausragende Idee, ein Ereignis oder eine Persönlichkeit“. Heute waren das der verstorbene Philip Seymour Hoffman und der Super Bowl.
  • Equalize: Gleichberechtigung.
  • Planet: Natur- und Umweltschutzthemen.
  • All City: Kunst, Sport, Musik und Lebensart in der Stadt.
  • Well Lived: Aktuelle Trends bei Reisen, Freizeit, Mode und Kultur.
  • Family Matters: Tipps für das Leben mit Kindern.
  • Cute: Nach LOL wohl die meistgewählte Sektion. Hier geht es um alles, was süß ist. Cat content eben.
  • LOL: Muss man nicht erklären, oder?
  • Glow: Alles rund ums Thema Schönheit.
  • Home: Tipps für Zuhause, den Garten und den Baumarkt
  • Pride: Sektion für Schwule und Lesben.

Die Bedienung ist schnell gelernt und geht leicht von der Hand, das Design erscheint ansprechend – eine wohltuende Alternative zur Facebook-App. Nach Rechts wischen, und man kommt zur nächsten Sektion, unten können die einzelnen Beiträge angetippt und anschließend „aufgeklappt“ werden, durch Wischen nach unten geht’s zurück. Nochmal nach unten Wischen, und man gelangt zu den Einstellungen oder kann einen Post schreiben. Auch die Messenger-Funktion von Facebook ist integriert. Größere Fotos lassen sich durch Neigen des Telefons in voller Breite betrachten.

Und trotzdem ist Paper kein echter Newsreader. Denn anders als – zum Beispiel – Flipboard bedient sich Paper nur bei den Facebook-Freunden und den vom Netzwerk-Riesen angebotenen Quellen. Will der Netzwerkgigant ebendiesen Newsreadern Konkurrenz machen, wird er sich wohl oder übel für andere Dienste wie RSS und Twitter öffnen müssen. Paper ist ein guter, erster Schritt. Nicht mehr, nicht weniger.

Eine Anleitung, wie Ihr Paper aus dem amerikanischen App Store herunterladen könnt, gibt es hier.

Neuer Fundus für Nachrichten: Trove

trove

Screenshot: trove.com

Der Markt der News-Aggregatoren wird immer unübersichtlicher. Zusätzlich zum Platzhirsch Flipboard, der diese Position immer noch völlig zu Recht innehat – keiner der Konkurrenten ist im Hinblick auf die plattformübergreifende Verbreitung so gut aufgestellt – kommen immer neue Dienste hinzu. Ein neuer Name, der vor einigen Tagen zum ersten Mal auf meinem Schirm auftauchte, ist Trove, ein neuer Dienst von Graham Holdings, der früheren Washington Post Company. Das erklärt auch, warum Trove seine Beiträge momentan hauptsächlich von den Partnerseiten der Post bezieht. Zwar soll es den Dienst laut dieser Website schon seit 2011 geben, der hauseigene Blog listet jedoch den 22. Januar 2014 als Starttermin, was angesichts der Tatsache, dass die Informationen über Trove auch in den englischsprachigen Branchendiensten bislang recht spärlich sind.

So funktioniert’s: Nutzer, Kuratoren oder Curators genannt, stellen Nachrichten-Streams zu bestimmten Themen zusammen, denen andere Nutzer dann wiederum folgen können. Bei Trove heißen diese Streams Troves, zu deutsch: Schätze. Den Kuratoren stehen dabei mehrere Tausend Quellen zur Verfügung, darunter große Agenturen wie AP, Reuters und natürlich die Post.

Die Anbindung an Facebook und Twitter dient hier (bislang) nur dazu, persönliche Artikelempfehlungen für den eigenen Trove zusammenstellen zu lassen. Anders als bei Flipboard laufen von dort keine Postings ein, was ein großer Vorteil sein kann.

Bis jetzt beschränkt sich Trove noch ausschließlich auf englischsprachige Nachrichten. Das hat auch zur Folge, dass deutsche Nutzer auf dem Portal bislang die Ausnahme sind, darunter Marcus Schwarze (Blog / Twitter), Leiter Digitale Inhalte bei der Rhein-Zeitung. Außerdem ist die dazugehörige App bislang nur für Apple-Geräte zu haben. Eine Android-Variante soll allerdings noch dieses Jahr folgen.

Dokumente per Smartphone scannen und veröffentlichen

Zum Onlinejournalismus gehört es heute auch, dem Leser zusätzliche Dokumente an die Hand zu geben, darunter auch Unterlagen im Original. Da die aber längst nicht immer in digitaler Form vorliegen, müssen sie eingescannt werden. Das geht jetzt auch unterwegs, mit dem CamScanner für iPhone und Android-Smartphones.

Camscanner 1

Camscanner 2 Screenshot: Camscanner (iPhone)

Mit dieser kostenlosen App können Dokumente abfotografiert, in Form gebracht und direkt als PDF abgespeichert und freigegeben werden. Die Premium-Version (4,49 € pro Monat oder 44,99 € pro Jahr) wartet zusätzlich mit einer OCR-Texterkennung und mehr Online-Speicherplatz auf.

Nachtrag 14:26 Uhr: Eine Alternative, auf die mich der Kollege Heinz-Gerd Arning gerade aufmerksam macht: Scanner Pro by Readdle, für iPhone und iPad zum Preis von (aktuell) 2,69 Euro zu haben.

ABZV stellt neue App und Magazin zum Datenjournalismus vor

ABZV-AppDas Online-Tool Datawrapper der Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage (ABZV) hatte ich ja bereits vorgestellt. Nun hat die ABZV eine neue App herausgegeben, bislang allerdings nur für das iPad. Sie soll als publizistischer Bildungskiosk dienen, der begleitend zu den Seminaren der ABZV mit journalistischer Fachliteratur bestückt wird. Das erste Magazin, „data driven journalism“, dreht sich um den Datenjournalismus. Hier wird einfach und verständlich erklärt, warum das gerade für Lokalredaktionen und -journalisten ein Thema ist. Lesetipp!

Bei Youtube gibt es dazu die Videos in einer Playlist:

Die App kann hier heruntergeladen werden. Alternativ gibt es das Datenjournalismus-Magazin auch einzeln mit und ohne Video-Funktionalität zum Download.

Daten schnell und einfach aufbereiten

datawrapperZahlenkolonnen sind öde. Jeder Journalist, der sich schon einmal durch einen Haushaltsplan gequält hat, weiß das, und seit der Einführung der doppelten Buchführung ist es nicht eben einfacher geworden. Nun könnte man auf die Idee kommen, das ganze Material, das sich so präsentiert, grafisch aufzubereiten. In der gedruckten Tageszeitung geht das zwar auch, braucht aber vergleichsweise viel Platz und muss von einem Grafiker erstellt werden. Im Internet geht das, zumindest für einfache Grafiken, schneller und leichter.

Datawrapper (engl. wrapper: Hülle) ist ein kostenloses Online-Werkzeug, mit dem sich in einfachen Schritten Säulen-, Balken-, Linien- und Tortendiagramme erstellen lassen, die dann auf Internetseiten eingebunden werden können. So können Artikel online leicht um übersichtliche Grafiken ergänzt werden, ohne dass der Leser mit Zahlenmaterial erschlagen wird.

Die Daten können entweder direkt eingegeben oder – was ich komfortabler finde – aus einer CSV-Tabelle ausgelesen werden, die man mit jeder handelsüblichen Tabellenkalkulationssoftware erstellen kann. Die Diagramme sind auf dem Server der Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage (ABZV) gelagert, alternativ kann der Datawrapper auch auf einem lokalen Server installiert werden. Ein Interview mit den Machern hinter dem Datawrapper gibt es hier.

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