Sind die Süßigkeiten im bei Amazon günstiger? Die Flow-App zeigt es. Screenshot: Amazon Flow

Sind die Süßigkeiten im bei Amazon günstiger? Die Flow-App zeigt es. Screenshot: Amazon Flow

Bislang stand ich der Augmented Reality-Technologie ja eher skeptisch gegenüber. Anders ausgedrückt: Ich hielt sie eher für eine Spielerei von Computerfreaks, die sich ihren Weg zum nächsten Briefkasten lieber mithilfe eines wackelnden Videobildes statt mit einer Karte suchen. Was diese Technik aber inzwischen zu leisten vermag, zeigt derzeit Amazon. Vergleichbares könnte mittelfristig auch Journalisten helfen.

Wer kennt es nicht: Man steht im Supermarkt vor dem Sonderangebot und fragt sich, was das wohl andernorts kostet – Preiskampf hin, Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und Produzenten her. Was für viele Menschen leider immer noch am ehesten zählt, ist der Preis. Und hier setzt Amazon an. Der in Deutschland nicht unumstrittene Online-Händler hat in den USA seine seit 2011 bekannte Flow-Technologie in die iOS-Standard-App integriert. Die Funktionsweise ist einfach: Bücher, DVDs oder ganz einfach abgepackte Waren werden vor die Kamera des Smartphones gehalten. Die App scannt die Ware und versucht, sie zu erkennen und im Amazon-Sortiment zu finden. Soweit das Versprechen. Und das kann die Technik erstaunlich gut halten, wie ein Test von Amazon Flow in einem deutschen Supermarkt zeigt.

Screenshot: Amazon Flow

Screenshot: Amazon Flow

Dazu sei natürlich gesagt, dass die App vor allem bei Produkten „anschlägt“, die sich sowohl in einem deutschen als auch in einem US-Supermarkt wiederfinden. Beim Blaumohn von Seeberger beispielsweise musste die App passen, und auch die Produkte von Valensina schien sie nicht zu kennen. Fündig aber wurde Amazon Flow zum Beispiel bei den Goldbären von Haribo. Direkt wird der Preis angezeigt, direkt gefolgt vom Link zum Bestellen. Auch Toffifee-Pralinen, Kellogg’s Corn Flakes, Smacks und Crunchy Nut findet die App sofort, und bei den süßen Frühstücksflakes versagt sie wohl nur deshalb den Dienst, weil diese in den USA nicht als Frosties, sondern als Frosted Flakes verkauft werden. Dafür findet Amazon Flow im hauseigenen Sortiment die Salatkrönung von Knorr, die ich dort eher nicht erwartet hätte. Das gleiche Bild bei den großen Kaffee-Marken Nescafé, Lavazza und Segafredo: Die App hat die Verpackungen binnen Sekunden erkannt und hält mit dem Amazon-Preis gegen das Ladenangebot. Bei DVDs ist sogar noch mehr drin: Zur DVD von R.E.D. 2 – Noch Älter, Härter, Besser, die die App trotz deutschem Cover problemlos erkannte, lieferte sie gleich den passenden Trailer mit.

Bislang gibt es Amazon Flow nur in den USA, allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der Online-Händler dieses Angebot auch hier startet. Und dann könnte Flow für den Händler um die Ecke zum echten Problem werden: vor Ort schauen, im Netz kaufen. Bleibt zu hoffen, dass die Einzelhändler auf diesen Trend beizeiten reagieren und ihn nicht, wie so viele andere zuvor, verschlafen.

Doch noch hat Amazon Flow auch Grenzen. Im Alltagstest musste die App bei Elektrogeräten wie dem Fleischwolf von Unold oder der Kaffeemaschine Tassimo Vivy von Bosch passen – noch. Und auch bei frischen Lebensmitteln funktioniert die Erkennung bislang nicht. Aber auch hier gilt: alles eine Frage der Zeit. Und wenn Augmented Reality inzwischen so ausgereift ist, dürfte diese Technik auf absehbare Zeit auch bei Journalisten zum Einsatz kommen. Die Möglichkeiten sind da.