Axel Wagner.net

Journalismus im Zeitalter von Social Media & Co.

Monat: Januar 2014 (Seite 1 von 2)

Dokumente per Smartphone scannen und veröffentlichen

Zum Onlinejournalismus gehört es heute auch, dem Leser zusätzliche Dokumente an die Hand zu geben, darunter auch Unterlagen im Original. Da die aber längst nicht immer in digitaler Form vorliegen, müssen sie eingescannt werden. Das geht jetzt auch unterwegs, mit dem CamScanner für iPhone und Android-Smartphones.

Camscanner 1

Camscanner 2 Screenshot: Camscanner (iPhone)

Mit dieser kostenlosen App können Dokumente abfotografiert, in Form gebracht und direkt als PDF abgespeichert und freigegeben werden. Die Premium-Version (4,49 € pro Monat oder 44,99 € pro Jahr) wartet zusätzlich mit einer OCR-Texterkennung und mehr Online-Speicherplatz auf.

Nachtrag 14:26 Uhr: Eine Alternative, auf die mich der Kollege Heinz-Gerd Arning gerade aufmerksam macht: Scanner Pro by Readdle, für iPhone und iPad zum Preis von (aktuell) 2,69 Euro zu haben.

ABZV stellt neue App und Magazin zum Datenjournalismus vor

ABZV-AppDas Online-Tool Datawrapper der Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage (ABZV) hatte ich ja bereits vorgestellt. Nun hat die ABZV eine neue App herausgegeben, bislang allerdings nur für das iPad. Sie soll als publizistischer Bildungskiosk dienen, der begleitend zu den Seminaren der ABZV mit journalistischer Fachliteratur bestückt wird. Das erste Magazin, „data driven journalism“, dreht sich um den Datenjournalismus. Hier wird einfach und verständlich erklärt, warum das gerade für Lokalredaktionen und -journalisten ein Thema ist. Lesetipp!

Bei Youtube gibt es dazu die Videos in einer Playlist:

Die App kann hier heruntergeladen werden. Alternativ gibt es das Datenjournalismus-Magazin auch einzeln mit und ohne Video-Funktionalität zum Download.

Mehrheit für große Werbebanner?

Foto: Cristine Lietz  / pixelio.de

Foto: Cristine Lietz / pixelio.de

Dass es Studien gibt, deren Aussagekraft – vorsichtig ausgedrückt – bezweifelt werden darf, hat heute Morgen schon die Facebook-Untersuchung der Uni Princeton gezeigt. Nun schneit noch eine weitere Untersuchung ins Haus, die der Marktforscher Ipsos im Auftrag des Werbespezialisten Undertone durchgeführt hat. 3000 Teilnehmer wurden dafür nach ihrer Einstellung zu Online-Werbung befragt.

While the online ad industry falls deeper in love with native ads that fade into the background of Web pages, consumers prefer ads that get in their face by taking over their computer screens.

Große Werbebanner, die sich über den gesamten Bildschirm legen und so den eigentlichen Inhalt verdecken, sollen also beliebt sein? Kunden wollen beim Lesen und Surfen unterbrochen werden? Wohl kaum. Große Werbeblöcke, die den Bildschirm blockieren, halte ich für nervtötend und störend.

Dass die Studie wenig aussagt, gerade im Hinblick auf Native Advertising, macht auch das Online-Portal Adweek selbst deutlich:

This study primarily focuses on display ads—that is, it compared high-impact display ads with standard banners. Native was not part of the research. It would be interesting to see what consumers thought of native ads vs. full-screen takeovers, if given the choice.

Toll. Eine Studie zu Online-Werbung, die die wahrscheinlich wichtigste Entwicklung in diesem Bereich komplett außen vor lässt.

Studie: Facebook wird zur Geisterstadt

Kaffeesatz

Kaffeesatz. Foto: Karin Schmidt / pixelio.de

Heute aus der Rubrik „Lustige Studien“: Wissenschaftler der Princeton University in New Jersey haben ausgerechnet, dass Facebook zwischen 2015 und 2017 rund 80 Prozent seiner Nutzer verlieren wird. Grundlage dafür ist eine Formel, mit der Biologen berechnen, wie schnell sich Seuchen verbreiten und wieder verschwinden. Die Forscher haben untersucht, wie oft der Begriff „Facebook“ bei Google eingegeben wurde. Danach soll es seit 2012 einen Abwärtstrend geben, ähnlich dem bei Myspace 2008

Die Forscher vergleichen also Faceobook mit einer Seuche und errechnen anhand der Suchanfragen beim Konkurrenten Google, wie populär das soziale Netzwerk in Zukunft sein wird. Das kommt dem berühmten Lesen im Kaffeesatz gleich. Wie schwachsinnig eine solche Untersuchung ist, zeigten Facebooks Datenanalysten gleich darauf. Würde man die gleiche Methodik auf die Princeton University anwenden, hätte sie bis 2021 keine Studenten mehr.

So richtig auf der Höhe der Zeit…

… ist die Wirtschaftswoche auch nicht immer. 😉

Wirtschaftswoche

Neue Debatte um Finanzierung von Qualitätsjournalismus

Es kam ein wenig überraschend, was da gestern und heute als große Meldung durch die Branchendienste ging:

Allein mit Qualitätsjournalismus kann heute niemand mehr überleben.

Diese weisen Worte sprach Verleger Hubert Burda am Montag bei der Digitalkonferenz DLD in München. Überraschend daran ist für mich nicht das, was er sagte, sondern, dass so groß darüber berichtet wurde. Denn dass sich Medien nicht allein über den Journalismus finanzieren können, ist doch nichts Neues. Schon vor Jahren konnte keine Zeitung mehr ohne zusätzliche Einkünfte wirtschaftlich arbeiten. Geld verdient wurde zusätzlich auch mit Werbeanzeigen, Annoncen, Prospektbeilagen, Leserreisen und dem Verkauf von Konzertkarten, Büchern, Kalendern und weiteren Artikeln. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Allerdings sind gerade die Einnahmen aus dem Werbegeschäft und den Abonnements deutlich zurückgegangen. Das muss kompensiert werden, und zwar durch den Verkauf eben jener Produkte, die Verleger Jakob Augstein vermutlich meint: Leserreisen, Bücher, Konzertkarten, Fanartikel etc. – nur eben nicht mehr ausschließlich in der Geschäftsstelle, sondern auch im Netz, intelligent ausgewählt und platziert.

Guardian lässt die Flugzeuge fliegen

Wie Multimedia-Reportagen heute aussehen können, zeigt heute der Guardian auf seiner Homepage. Das Blatt hat eine interaktive Weltkarte veröffentlicht, auf der sich der internationale Flugverkehr der vergangenen 24 Stunden beobachten lässt. Zwar fehlen hier die Angaben zu den einzelnen Flügen, weshalb das Ganze nicht als Beispiel für Datenjournalismus taugt, doch die Karte vermittelt einen guten Überblick über die Flugverbindungen weltweit und damit auch über wirtschaftliche Zusammenhänge im internationalen Maßstab. Anlass für die Karte ist ein Rückblick auf 100 Jahre Passagierfluggeschichte.

Screenshot: Guardian.co.uk

Screenshot: Guardian.co.uk

Nachtredaktion: Eine Neuerung, die keine ist

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Foto: Bernhard Mayr / pixelio.de

Seit einigen Monaten unterhält der Springer-Verlag zwei Nachtredaktionen im Ausland. Bild.de wird zur nächtlichen Stunde aus Los Angeles betreut, die Welt hat in Sydney ihre Zelte aufgeschlagen. Andere Verlage wie der Spiegel wollen es ihnen gleich tun. Süddeutsche.de berichtete im Dezember:

Das Handelsblatt hat 2010 als erste Redaktion ein Nachtbüro in New York eröffnet, heute arbeiten dort fünf Redakteure und neun freie Mitarbeiter.

Das stimmt so nicht ganz, denn die Idee, Nachrichten direkt aus dem Ausland an elektronische Informationsangebote zu liefern, ist deutlich älter. Als ich im Winter 2007/2008 im Zuge meines Studiums für sechs Monate nach Australien ging, arbeitete ich in Sydney für Infostrada Sports. Dieser Mediendienstleister, der seinen Hauptsitz in den Niederlanden hat, beliefert Tageszeitungen, TV-Sender und Online-Portale auf der ganzen Welt mit aktuellen Sportnachrichten und bietet übernimmt bei sportlichen Großereignissen auch die Versorgung der Medienvertreter mit Informationen über die Athleten. Als ich dort mein Praktikum absolviert habe, ging es deshalb vorrangig darum, Biographien, der Sportler für die Olympischen Spiele in Peking zusammenzustellen, denn hier war Infostrada Sports der Mediendienstleister. (Nebenbei bemerkt war das gar nicht so einfach, vor allem bei den zahlreichen asiatischen Sportlern, über die vergleichsweise wenig bekannt ist.)

Zum Angebot von Infostrada Sports gehörte es aber auch schon damals, aktuelle Sportnachrichten und -ergebnisse direkt an Online-Nachrichtenportale und auch die bis heute viel genutzten Videotext-Dienste der Fernsehsender zu liefern. Ergebnisse der Formel 1-Rennen in Übersee oder der Australian Open landeten so direkt auf den entsprechenden Seiten. Auch hier wurde also schon der Zeitunterschied genutzt, um die Nutzer auch nachts auf dem Laufenden zu halten.

Daten schnell und einfach aufbereiten

datawrapperZahlenkolonnen sind öde. Jeder Journalist, der sich schon einmal durch einen Haushaltsplan gequält hat, weiß das, und seit der Einführung der doppelten Buchführung ist es nicht eben einfacher geworden. Nun könnte man auf die Idee kommen, das ganze Material, das sich so präsentiert, grafisch aufzubereiten. In der gedruckten Tageszeitung geht das zwar auch, braucht aber vergleichsweise viel Platz und muss von einem Grafiker erstellt werden. Im Internet geht das, zumindest für einfache Grafiken, schneller und leichter.

Datawrapper (engl. wrapper: Hülle) ist ein kostenloses Online-Werkzeug, mit dem sich in einfachen Schritten Säulen-, Balken-, Linien- und Tortendiagramme erstellen lassen, die dann auf Internetseiten eingebunden werden können. So können Artikel online leicht um übersichtliche Grafiken ergänzt werden, ohne dass der Leser mit Zahlenmaterial erschlagen wird.

Die Daten können entweder direkt eingegeben oder – was ich komfortabler finde – aus einer CSV-Tabelle ausgelesen werden, die man mit jeder handelsüblichen Tabellenkalkulationssoftware erstellen kann. Die Diagramme sind auf dem Server der Akademie Berufliche Bildung der deutschen Zeitungsverlage (ABZV) gelagert, alternativ kann der Datawrapper auch auf einem lokalen Server installiert werden. Ein Interview mit den Machern hinter dem Datawrapper gibt es hier.

Was kommt nach Facebook?

Dass sich das Durchschnittsalter der Facebook-Nutzer in den vergangenen Jahren rapide erhöht hat, ist eine ebenso bekannte wie nachdenklich stimmende Tatsache. Sie ist aber mit einiger Vorsicht zu betrachten, denn was Agenturen wie iStrategyLabs da untersuchen, gilt zunächst einmal nur für US-Jugendliche. Zwar dürfte die Entwicklung in Deutschland einen ähnlichen Weg nehmen, aber Genaues weiß man bislang nicht.

Unter US-Jugendlichen scheint es klar zu sein: Facebook ist out. Doch was kommt danach? Und was bedeutet das für Medien und Unternehmen, die ja gerade auch die jüngere Zielgruppe im Auge haben?

Ein Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist Snapchat, die Instant-Foto-App, die in jüngster Zeit nicht nur durch rasant steigende Nutzerzahlen und ein spektakulär abgelehntes Übernahmeangebot, sondern auch durch Datenschutzprobleme von sich reden gemacht hat. Snapchat-Nutzer sind nach Angaben von marketingcharts.com in der Regel zwischen 18 und 29 Jahre alt – wobei auch hier wieder ausschließlich der US-Markt untersucht wurde und Minderjährige außen vor blieben. Für Medienhäuser allerdings dürfte Snapchat zumindest in seiner jetzigen Form kaum zu gebrauchen sein, da hier die Nutzer ausschließlich untereinander oder mit Gruppen kommunizieren, und das in der Hauptsache mit Fotos, meist Selbstportraits, genannt Selfies. Ähnlich sieht es beim SMS-Ersatz WhatsApp aus.

Der dritte Dienst, dessen Name auftaucht, ist Instagram – auch hier ein Fotodienst, von dem Medien bislang wenig profitieren dürften. Auch hier ist der Nutzer mehrheitlich in der Altersgruppe 18-29 zu finden, auch wenn das Verhältnis nicht ganz so eindeutig ist wie bei Snapchat.

twitter rise

Bliebe Twitter. Der Kurznachrichtendienst, der zwei Jahre jünger ist als Mark Zuckerbergs Social-Media-Riese, konnte in der Vergangenheit offenbar bei den jüngeren Nutzern kräftig zulegen.

Facebook wird sich anstrengen müssen, will es den Anschluss zu den jungen Nutzern nicht verlieren. Ob Zuckerbergs Truppe das schafft, bleibt abzuwarten. Für die Medienlandschaft gilt mehr denn je, dass sie die Entwicklung im Auge behalten muss.

Nachtrag 18.01.2014: Dass bei einer Untersuchung der Facebook-Nutzerzahlen (für Deutschland) auch etwas völlig Anderes herauskommen kann als bei iStrategyLabs, zeigt allfacebook.de hier

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