Axel Wagner.net

Journalismus im Zeitalter von Social Media & Co.

Größer und breiter

Unter lautem Getöse hat Apple heute Abend seine neuen iPhone-Modelle vorgestellt. Ein Detail ist mir dabei besonders aufgefallen: Das iPhone 6 Plus kommt mit einem Landscape Mode daher. Soll heißen: Wird das Telefon quer gehalten, wechselt auch die Ansicht in einen Breitbildmodus. Bei Tablets ist das schon lange usus, für ein Smartphone aber bislang ungewöhnlich.
Interessant wird das vor allem für Nachrichten-Apps, von denen – zumindest auf dem Smartphone – bisher nur wenige den Wechsel von hochkant zu quer beherrschen.

Überhaupt dürfte das Smartphone mit dem größeren Bildschirm für Nachrichten- und Informationsangebote noch wichtiger werden, als es ohnehin schon ist, macht es doch Texte besser lesbar und das Einbinden von Bildern und Videos komfortabler. Und wenn die deutschen Mobilfunkanbieter es endlich schaffen, mit einer flächendeckenden, schnellen Internetversorgung aus dem Quark zu kommen, dürften gerade Videos bald zum Alltag auch der News-Apps auf dem Handy werden.

Guardian über Döpfner: Ein Mann auf einer Mission

Guardian-Journalist Philip Oltermann befasst sich heute online mit dem Kampf von Springer-Chef Matthias Döpfner gegen Google. Döpfner habe den Suchmaschinenbetreiber bei seinem Auftritt auf dem Global Media Forum am Montag in Bonn dafür kritisiert, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. Er verglich Google dabei mit jemandem, der 91 Prozent der Straßen in Deutschland besitze und daher bestimme, dass nur bestimmte Fahrzeugtypen darauf fahren dürften. Oltermanns Bemerkung zu diesem Vergleich:

This is the height of hypocrisy coming from a media empire which for decades abused its dominant market-position in the German media to impose a reactionary agenda on policymakers.

Den ganzen Artikel gibt es hier zum Nachlesen.

Lesetipp: SZ-Digitalreportage zum Thema Rausch

Wie Reportagen heute aussehen können, zeigt die Süddeutsche Zeitung heute mit einer Digitalreportage zum Thema Rausch. Responsive Design, interaktive Elemente, Videos und ein anklickbarer Zeitstrahl zeigen, was man mit solchen Themen anfangen kann, wenn man sie digital richtig aufbereitet.

Lesetipp: Zuschauer sind mit der ARD unzufrieden

Focus.de berichtete gestern Abend über eine neue Studie der forum! Marktforschung:

Es ist ein Armutszeugnis für die deutsche Fernsehlandschaft. Laut der Studie Fanfocus ist nur gut jeder zehnte Zuschauer zufrieden und an den Sender seiner Wahl gebunden. Dem miesen Ergebnis setzt die ARD die Krone auf – nur ein privater Sender kommt genauso schlecht weg.

Insgesamt 65 Prozent der Befragten sind demnach unzufrieden mit dem Programm des Ersten, 46 Prozent der Zuschauer sind sogar “Terroristen” – so bezeichnen die Macher der Studie Menschen, die unzufrieden sind, dies öffentlich kundtun und damit dem Unternehmen schaden. Kein Wunder bei dem, was dort seit einigen Jahren geboten wird. Satire findet sich nur noch in den Dritten Programmen (auch wenn Extra 3 ab Oktober einmal monatlich ins Hauptprogramm darf), den Scheibenwischer-Nachfolger darf man getrost vergessen, die Ratgeber-Sendungen werden zugunsten der nervigen Checks eingestampft, und ansonsten findet sich da vor allem viel seichter Unterhaltungsbrei. Findet sich dann doch mal ein anspruchsvolleres Erfolgsformat ein, wird es meist irgendwo versendet.

Das ZDF steht nicht viel besser da – 55 % Unzufriedene insgesamt, 31 % “Terroristen” -, wobei man hier offenbar die bessere Social Media-Strategie spürt. Den Spitzenplatz mit 22 % treuen Zuschauern hat der Kultursender Arte – auch kein wirklich gutes Ergebnis. An Topmodel- und Raab-Sender Pro Sieben scheiden sich die Geister: 19 % sehr zufriedene Zuschauer, gleichzeitig aber auch 29 % “Terroristen”.  Die übrigen Privatsender sortieren sich rund um den Durchschnitt von 11 % treuen Zuschauern ein. Insgesamt ein Armutszeugnis, das aber auch den Erfolg der neuen Video on demand-Dienste wie Amazon Prime Instant Video erklärt.

Die komplette Studie gibt es hier zum Nachlesen.

Vom Blog zur Zeitung

Wie Lokaljournalismus anno 2014 gehen kann, zeigt ein kleines Lokalportal aus Bayern. Die Tegernseer Stimme hat sich als Gegenöffentlichkeit zu den großen Marken etabliert.

Ein gut laufendes Lokalblog, schrieben die Medienseiten der überregionalen Presse schon vor Jahren. „Ich bezeichne die Tegernseer Stimme lieber als Online-Lokalzeitung“, sagt Mitgründer Peter Posztos heute. Ein Blog? Das klingt viel zu klein. Die Tegernseer Stimme hat täglich zwischen 4000 und 6000 Leser. Nicht viel – verglichen mit den großen Medienmarken. Bezogen auf die Leserschaft vor Ort ist es aber ein Riesenschnitt: Etwa 25.000 Menschen im Tegernseer Tal zählt Posztos zu seiner Zielgruppe.

Den ganzen Beitrag gibt es hier zum Nachlesen. Mehr Medien-Nachrichten, auch von der Re:publica und zum WDR-Reportage-Tool Pageflow, findet Ihr im Flipboard-Magazin.

Erkenntnis des Tages: “Google braucht uns nicht. Wir brauchen Google.”

google

Diese anno 2014 bemerkenswerten Worte kommen von Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender bei Axel Springer, und sind in der aktuellen FAZ nachzulesen.

“Wir kennen keine Alternative, die auch nur ansatzweise vergleichbare technologische Voraussetzungen zur automatisierten Werbevermarktung bietet. (…) Wir kennen auch keine Suchmaschinen-Alternative zur Sicherung und Steigerung unserer Online-Reichweite”

(zitiert bei Meedia)

Schade nur, dass den Worten vermutlich nicht viel folgen wird. Google ist und bleibt das Nonplusultra in Sachen Suchmaschinen, aller Datenschutzbedenken und sonstiger Vorwürfe zum Trotz. Eine wirklich vielversprechende Alternative ist nicht in Sicht. Und auch in Sachen Werbung ist der Konzern ein mächtiger Wettbewerber.

Nachtrag: Thomas Knüwer hat die Äußerungen Springers kritisch kommentiert.

Journalismus: Später zahlen – oder gar nicht?

Neue Runde in der Debatte um die Finanzierung von Journalismus im Netz: Nachdem sich in den vergangenen Tagen schon in eigener Sache das Heddesheimblog, die Ruhrbarone und Markus Beckedahl damit befasst hatten, stellt nun Richard Gutjahr ein neues Bezahlmodell vor – und sagt:

Viele meiner Leser wollen bezahlen. Kein Wunschdenken, sondern belegt durch zig Spenden, die mich Woche für Woche erreichen. Und irgendwie auch nicht: Bezahlsyteme wie PayPal mit ihren horrenden Gebühren fressen Mikrospenden nahezu komplett auf.

Begegnen will er dem mit einem neuen Bezahlsystem namens LaterPay, das – ähnlich wie das kürzlich vorgestellte Blendle in den Niederlanden – mit einer Art Geld-Zurück-Garantie arbeitet. Ob das funktioniert? Ich habe da meine Zweifel. Womit Gutjahr allerdings eindeutig Recht hat: Die bisher bestehenden Zahlungsmethoden sind für den Nutzer zu kompliziert und für den Autor zu teuer.

Auch Andreas Grieß vom Medienportal youdaz.com hat sich zu diesem Thema geäußert und benennt “drei Lügen zur Finanzierung von Onlinejournalismus”, darunter die, dass Leser für gute Inhalte gerne zahlen:

In den meisten Fällen reden wir von freiwilliger Bezahlung, denn wirkliche Paywalls sind vor allem bei kleineren Projekten nach wie vor verpönt. Meine Beobachtung dabei: Die Mehrheit gibt kein Geld, weil die Reportage, das Video oder das Interview so gut sind, sondern weil die eigene Meinung geteilt wird.

Die kompletten Artikel und mehr zum Thema gibt’s in Notizen aus der Medienwelt, dem Flipboard-Magazin.

flipboardNachtrag: Christoph Oppermann liefert dazu eine lesenswerte, ausführliche Analyse.

Chromecast: Google bläst zum Angriff

Foto: Google

Foto: Google

Google hat es wieder getan: Der Suchmaschinenriese aus Kalifornien drängt mit Macht in den nächsten Markt vor und bietet mit Chromecast einen winzigen HDMI-Stick an, mit dem sich der Fernseher zum Smart-TV machen lässt. Youtube-Videos, Watchever, demnächst auch Maxdome und vielleicht auch bald Netflix – alle großen Streaming-Dienste lassen sich über den kleinen Stick abspielen. Bedient und konfiguriert wird er per App vom Smartphone oder Tablet – wobei die Steuerungs-App sowohl auf Android-Systemen als auch beim Konkurrenten Apple angeboten wird. Ein cleverer Schachzug.

Matthias Kremp hat Chromecast schon für Spiegel Online getestet und ist begeistert:

“Als ich den Google-Stick dann endlich ausprobieren kann, staune ich nicht schlecht. Egal ob ich es per Android-Smartphone oder per iPad versuche: Die Technik funktioniert problemlos. Die Bedienung ist sehr einfach. In Apps, die Chromecast unterstützen, erschient ein neues Symbol, das ich anklicken muss, um den aktuellen Bildschirminhalt auf meinem Fernseher ansehen zu können.”

Den kompletten Testbericht gibt es hier zum Nachlesen. Chromecast gibt’s für gerade einmal 35 Euro offline bei Media Markt und Saturn und online bei Amazon und im Google Play Store.

Online-Shopping im Supermarkt

Sind die Süßigkeiten im bei Amazon günstiger? Die Flow-App zeigt es. Screenshot: Amazon Flow

Sind die Süßigkeiten im bei Amazon günstiger? Die Flow-App zeigt es. Screenshot: Amazon Flow

Bislang stand ich der Augmented Reality-Technologie ja eher skeptisch gegenüber. Anders ausgedrückt: Ich hielt sie eher für eine Spielerei von Computerfreaks, die sich ihren Weg zum nächsten Briefkasten lieber mithilfe eines wackelnden Videobildes statt mit einer Karte suchen. Was diese Technik aber inzwischen zu leisten vermag, zeigt derzeit Amazon. Vergleichbares könnte mittelfristig auch Journalisten helfen.

Wer kennt es nicht: Man steht im Supermarkt vor dem Sonderangebot und fragt sich, was das wohl andernorts kostet – Preiskampf hin, Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und Produzenten her. Was für viele Menschen leider immer noch am ehesten zählt, ist der Preis. Und hier setzt Amazon an. Der in Deutschland nicht unumstrittene Online-Händler hat in den USA seine seit 2011 bekannte Flow-Technologie in die iOS-Standard-App integriert. Die Funktionsweise ist einfach: Bücher, DVDs oder ganz einfach abgepackte Waren werden vor die Kamera des Smartphones gehalten. Die App scannt die Ware und versucht, sie zu erkennen und im Amazon-Sortiment zu finden. Soweit das Versprechen. Und das kann die Technik erstaunlich gut halten, wie ein Test von Amazon Flow in einem deutschen Supermarkt zeigt.

Screenshot: Amazon Flow

Screenshot: Amazon Flow

Dazu sei natürlich gesagt, dass die App vor allem bei Produkten “anschlägt”, die sich sowohl in einem deutschen als auch in einem US-Supermarkt wiederfinden. Beim Blaumohn von Seeberger beispielsweise musste die App passen, und auch die Produkte von Valensina schien sie nicht zu kennen. Fündig aber wurde Amazon Flow zum Beispiel bei den Goldbären von Haribo. Direkt wird der Preis angezeigt, direkt gefolgt vom Link zum Bestellen. Auch Toffifee-Pralinen, Kellogg’s Corn Flakes, Smacks und Crunchy Nut findet die App sofort, und bei den süßen Frühstücksflakes versagt sie wohl nur deshalb den Dienst, weil diese in den USA nicht als Frosties, sondern als Frosted Flakes verkauft werden. Dafür findet Amazon Flow im hauseigenen Sortiment die Salatkrönung von Knorr, die ich dort eher nicht erwartet hätte. Das gleiche Bild bei den großen Kaffee-Marken Nescafé, Lavazza und Segafredo: Die App hat die Verpackungen binnen Sekunden erkannt und hält mit dem Amazon-Preis gegen das Ladenangebot. Bei DVDs ist sogar noch mehr drin: Zur DVD von R.E.D. 2 – Noch Älter, Härter, Besser, die die App trotz deutschem Cover problemlos erkannte, lieferte sie gleich den passenden Trailer mit.

Bislang gibt es Amazon Flow nur in den USA, allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der Online-Händler dieses Angebot auch hier startet. Und dann könnte Flow für den Händler um die Ecke zum echten Problem werden: vor Ort schauen, im Netz kaufen. Bleibt zu hoffen, dass die Einzelhändler auf diesen Trend beizeiten reagieren und ihn nicht, wie so viele andere zuvor, verschlafen.

Doch noch hat Amazon Flow auch Grenzen. Im Alltagstest musste die App bei Elektrogeräten wie dem Fleischwolf von Unold oder der Kaffeemaschine Tassimo Vivy von Bosch passen – noch. Und auch bei frischen Lebensmitteln funktioniert die Erkennung bislang nicht. Aber auch hier gilt: alles eine Frage der Zeit. Und wenn Augmented Reality inzwischen so ausgereift ist, dürfte diese Technik auf absehbare Zeit auch bei Journalisten zum Einsatz kommen. Die Möglichkeiten sind da.

Magazine: Erst Flipboard, jetzt Facebook – und bald Twitter?

Screenshot: mashable.com

Screenshot: mashable.com

Ein Trend zeichnet sich ab: Onlinedienste und Apps werden magaziniger und damit bildlastiger. Was Google+ und vor allem Flipboard schon seit Langem anbieten und Facebook zumindest mobil seit Kurzem offeriert, hat nun offenbar auch das dritte Netzwerk-Schwergewicht, Twitter, für sich entdeckt. Zumindest berichtet Mashable-Autor Matt Petronzio, dass er kürzlich ein vollkommen neues Design auf seinem Profil entdeckt hat. Wie schon seine Konkurrenten zuvor legt auch Twitter künftig den Fokus verstärkt auf Fotos, der Stream verschwindet komplett. Ob sich das durchsetzen wird bleibt offen, auch wenn ich, anders als Elisabeth Oberndorfer bei Curved, nicht glaube, dass Twitter immer noch ein Nischenangebot für Nerds ist. Ansprechend sieht das mutmaßliche neue Design jedenfalls aus – und es wäre sicher auch eine gute Wahl für deutsche Nachrichtenangebote, wenn sich die Verlage endlich von den meist viel zu schmal gehaltenen Streams verabschieden und auf ein echtes Responsive Design wechseln könnten. Interesse an derartigen Entwicklungen?

Mehr dazu gibt’s täglich in Notizen aus der Medienwelt.

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